Diese Dokumentation ist nach Gesprächen mit vielen Zeitzeugen und Sichtung von Archiven entstanden, nachdem ein für August 2020 geplanter Festakt zum 50-jährigen Jubiläum der GfJ coronabedingt abgesagt werden musste.

Wer Fragen, Hinweise oder interessantes Material zum Thema hat, kann sich gerne unter dieser Mailadresse melden:  markus.drewniak@bvz-frankfurt.de

In der F.A.Z Rhein-Main-Zeitung vom 26.07.2021 ist ein Artikel von Florentine Fritzen zu dieser Geschichtsrecherche erschienen. Mehr Informationen

 

Gesellschaft für Jugendarbeit und Bildungsplanung e.V. – Geschichte

26.12.1969 Gründung der GfJ   (Stadtarchiv 26.12.1969)   

22.04.1970 Eintrag ins Vereinsregister (Vereinsregister GfJ)

„Um wenige Zuschüsse von Stadt und Land zu erhalten, wird ein Verein gegründet: die Gesellschaft für Jugendarbeit und Bildungsplanung. Viele kritisieren, sich bürgerlicher Strukturen zu bedienen, weshalb sich die Gesellschaft intern „Zentralrat der Frankfurter Kinderläden“ nennt,“ erzählt Lelle Franz.      

(Frankfurter Rundschau vom 30.04.2008 von Anita Strecker)

erste Kinderläden:  Böhmerstraße, Finkenhofstraße, Leerbachstraße

mehrere Einrichtungen unter einem Dach, für eine starke Interessenvertretung gegenüber Stadt und Land, erste Zuschüsse: 4 DM pro Kind und Woche                     

1972-1974 im Vorstand Dr. Albrecht Jockenhövel: „Ich war der Außenminister, das Aushängeschild“

(Läden ohne Fenster F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 06.01.1973 von ptn)

Es gab viele Unterstützer und Befürworter in der Stadtgesellschaft (Schuldezernent Peter Rhein, Kulturstadtrat Hilmar Hoffmann, Stadtkämmerer Rudi Sölch, Karl Gerold und der damalige Vorsitzende der Wohnheim GmbH).  

Andere Projekte in dieser Zeit: Kita in Parks, Kita 3000/2000, Jenaplan-Schule 

1972 Die GfJ bekommt das Haus in der Vogelweidstraße 3 von der Wohnheim GmbH mietfrei überlassen. Dorthin ziehen einige Kindergruppen.

1974 endgültige Entscheidung: Mietfreiheit wegen Modellcharakter

(Kinderladen in Schwierigkeiten F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 02.08.1973 von ptn)

(Kinderladen als Modellversuch F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 02.03.1974 von ptn)

Auch der „Verein für angewandte Sozialpädagogik“ kommt in dem Haus unter, Träger der Freien Schule Frankfurt, bis heute dort.

1975-1984 Inge Wiebe übernimmt die Geschäftsführung beider Vereine, später nur der GfJ.

Die Geschäftsstelle verwaltet, vertritt nach außen und erstreitet Zuschüsse.

1977 Kommunalwahlgewinn der CDU mit Walter Wallmann + Bernhard Mihm,

Bruch der reformerischen Entwicklung, Projekt Kita 2000 wird radikal beendet

trotz Widerstand in der CDU muss die Stadt den Kinderläden weiterhin die wenigen Zuschüsse gewähren

(Zuschüsse für „Kita im Exil“ F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 14.11.1978 von ot)

u.a. von der GfJ verwaltet:

-Rote Eule 1970-84 Niedenau 57, dann Eckenheimer Landstr. 185

(Gründung eines Kinderladens 1969 – aus Frankfurter Rundschau-Blog „Mein 1968“)

-Schülerladen Backstube 1970 gegründet in einer alten Bäckerei, dann 1973  Finkenhofstraße, seit 1977 bis heute Fichardstraße

-Kinderladen/Krabbelstube Vogelweidstraße 1972-2010

-Kinderladen Zaubertiger seit 1977 bis heute im städtischen Gebäude Bockenh.Ldstr. 69

-Kinderladen in der Sponti-Villa am Beethovenplatz (später Schülerladen Zornige Zwerge)

und viele weitere kleine Kinderläden + Krabbelstuben

Erste Teamkonzepteinrichtungen entstehen unabhängig von Elterngruppen.

1984 Michael Burbach wird zum Geschäftsführer gewählt, er wird die prägende Persönlichkeit für die nächsten Jahrzehnte bis zu seinem Tod 2017.

1984 Gründung der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Kinderarbeit Hessen (LAG), in einem Büro mit der GfJ bis 1990, in strategischer Partnerschaft

1986 GfJ-Büro (Michael Burbach) verlässt die Vogelweidstraße und zieht in ein kleines Büro in der Zeißelstraße 11a.

1988 LAG veranstaltet die Ausstellung "Freie Kinderarbeit in Hessen - Konzepte, Projekte, Perspektiven" im Bürgerhaus Bornheim

(aus dem Reader zur Ausstellung: „Autonomie und Service“, die GfJ stellt sich vor)

1989 Kommunalwahlkampf - Kinderbetreuung ist zentrales Thema

GfJ und LAG machen einen „Vorschlag für eine sozialpolitische Initiative“ als Grundlage für das spätere Sofortprogramm (Unvorstellbar! Forderungen zur Kommunalwahl 1989)

1989 Kommunalwahl in Frankfurt, danach rot-grüne Stadtregierung

Jutta Ebeling wird Schuldezernentin, Willi Preßmar beginnt seine Tätigkeit im Stadtschulamt

Kita-Entwicklungsplanung beginnt

1990 Sofortprogramm Kinderbetreuung tritt in Kraft,  „raus aus der Nische“ 

Übernahme des „Trägerdrittels“ und Investitionskostenzuschüsse für neue Einrichtungen

(Entlastung für Initiativen (F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 15.05.1990) von röd)

(Freie Einrichtungen sind schneller und billiger (F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 18.10.1990) von röd)

(Wie sich das Nordendbad in eine Drachengrotte verwandelte (F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 11.12.1990) von Stefan Schröder) 

1991 GfJ-Mitglieder beschließen Aufnahmestopp von weiteren Elterninitiativen und Kinderläden, dieser Beschluss wird erst viele Jahre später von der Mitgliederversammlung revidiert.

Für weitere Neugründungen von Krabbelstuben, Kinderläden und Schülerläden werden 2 andere Vereine aktiviert bzw. gegründet.

(Verein zur Unterstützung berufstätiger Eltern e.V. + Gesellschaft zur Förderung betrieblicher und betriebsnaher Kindereinrichtungen e.V.)

Diese 3 großen Vereine bestehen bis Ende 2015 nebeneinander und werden gemeinsam verwaltet. Darüber hinaus unterstützt die Geschäftsstelle viele gemeinnützige Vereine der Kinder- und Jugendhilfe und aus dem kulturellen Bereich.  

1992 Magistratsbeschluss zur Förderung betriebsnaher Kitas

viele betriebsnahe Kitas entstehen (z.B. Ultraschall/Bürgerhospital, Zauberhut/ Behördenzentrum, zwischen den Türmen/Deutsche Bank)

Zur Entwicklung des Sofortprogrammes und zu betriebsnahen Einrichtungen:

(Kleine Lösung für 15 Kinder ist vom Tisch (F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 05.03.1991) von röd)

(Kinderläden-Träger werden kleine Konzerne (F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 23.04.1991) von Stefan Schröder)

Krabbelstuben sind weiterhin unterfinanziert.

(Krabbelstuben demonstrieren (F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 01.11.1991) von pst)

(Alle zwei Wochen für zehn Kinder kochen (F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, 03.12.1991) von Uta Kruse)

1992 Umzug der Geschäftsstelle in die Eckenheimer Landstraße

1995 Gründung Beratungs- und Verwaltungszentrum e.V. (BVZ) als zentrale Verwaltungsorganisation für die 3 großen Vereine und für viele weitere gemeinnützige kleine Vereine, die vom BVZ mit Dienstleistungen und Fachberatung unterstützt werden

1996 bundesweiter Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für jedes Kind im Alter vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt

1997 weitere Verbesserungen für die freien Träger in Frankfurt: Mietkostenübernahme + Anpassung der Elternbeiträge an die Festlegung nach Einkommen (Stadtschulamt)

1998 Umzug in die Humboldtstraße 12 (eine Etage, heute das ganze Haus mit 5 Etagen)

In den nächsten Jahren weiteres Wachstum durch neue Initiativen, Bedarfsgründungen und Übernahme von Trägerschaften nach Ausschreibung durch die Stadt.

(Entwicklung der Anzahl der Einrichtungen 1970-2020)

Die Professionalisierung setzt sich fort, die Konzeptarbeit wird intensiviert, die Fachberatung weiterentwickelt, mit Dienst- und Fachaufsicht, wenn es nötig ist.

Viele Einrichtungen arbeiten weitgehend autonom und selbstständig.

2005 „Der Revolutionäre Touch ist Weg“ 

Link zu einer ausführlichen Arbeit von Robert Hamm zur Professionalisierung und Institutionalisierung der Freien Kinderarbeit in Frankfurt und Hessen

(trend onlinezeitung 01/2005)              

2013 Rechtsanspruch auf Krippenplatz führt zum weiteren Ausbau der U3-Betreuung

2015 Gründung der gemeinnützigen BVZ GmbH, seit 01.01.2016 Träger aller Kitas der 3 großen Vereine.      Die GfJ ist alleiniger Gesellschafter der BVZ GmbH, die beiden anderen Vereine werden aufgelöst.

2017 Tod von Michael Burbach

2020 Die gemeinnützige BVZ GmbH ist Träger von über 150 Kindereinrichtungen.

https://www.bvz-frankfurt.info/Wer-wir-sind/